KI-Berufs-Puzzle
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Woher die Zahlen kommen

Jede Aufgabe in diesem Tool hat einen Wert zwischen 0 und 100. Er sagt: So stark könnte KI diese Aufgabe heute übernehmen oder unterstützen. 0 heißt nicht „KI kann gar nichts“, sondern: Präsenz, Beziehung, Urteil oder Verantwortung stehen im Mittelpunkt. 100 heißt nicht „der Beruf verschwindet“, sondern: Ein großer Teil der Aufgabe lässt sich unter guten Bedingungen digital erledigen.

Diese Einzelwerte sind meine Einschätzung – keine Messwerte und keine Prognose. Sie sollen im Workshop ein Gespräch anstoßen.

Die zwei Anker

Damit die Werte nicht aus der Luft gegriffen sind, habe ich sie an zwei ernsthaften Quellen orientiert.

Frey & Osborne (2013) aus Oxford haben für über 700 Berufe geschätzt, wie wahrscheinlich es ist, dass Computer den ganzen Beruf übernehmen. Die Studie ist berühmt und wird viel kritisiert – die Zahlen sind eher eine Obergrenze als eine Vorhersage.

Der IAB Job-Futuromat misst etwas anderes: den Anteil der Tätigkeiten eines deutschen Berufs, die sich technisch ersetzen ließen – zuletzt für 2022. Das passt besser auf deutsche Ausbildungsberufe.

Diese beiden Werte messen also nicht dasselbe und lassen sich nicht sauber verrechnen. Ich habe sie als Orientierungsrahmen genommen und daraus für jeden Beruf einen didaktischen Richtwert abgeleitet – ein begründetes Urteil, keine statistische Kombination. Den jeweiligen Vergleichswert der Studie findest du im Ergebnis unter „Datengrundlage“.

Warum IT und Kreativberufe höher stehen, als die Studien sagen

Frey & Osborne haben 2013 gerechnet – lange vor ChatGPT. Softwareentwicklung stand bei ihnen bei 4 Prozent, Grafikdesign bei 8 Prozent. Das kann man heute nicht mehr ernst nehmen. Generative KI schreibt inzwischen große Teile des Alltagscodes und liefert Bildentwürfe im Sekundentakt. Für diese Berufe habe ich die Werte deshalb bewusst nach oben gezogen und im Ausblick erklärt, warum. Umgekehrt beim Berufskraftfahrer: Da war die alte Schätzung sehr hoch, aber selbstfahrende LKW kommen viel langsamer als gedacht.

Technisch möglich heißt nicht: im Betrieb angekommen

„KI kann diese Aufgabe“ kann drei ganz verschiedene Dinge heißen:

  • Ein System kann die Aufgabe grundsätzlich ausführen.
  • Es funktioniert zuverlässig in echten Situationen.
  • Es wird in Betrieben schon eingesetzt – und ist rechtlich erlaubt.

Ein Sprachmodell kann einen Pflegebericht formulieren. Das heißt noch nicht, dass er klinisch korrekt ist, dass sensible Daten so verarbeitet werden dürfen oder dass die Fachkraft überflüssig wird.

In der Praxis nutzt in Deutschland derzeit etwa jeder vierte Betrieb generative KI – stark steigend, aber sehr ungleich verteilt. Manche Branchen bauen ihre Abläufe schon um, andere probieren gerade erst.

Können heißt nicht Machen

Das ist der wichtigste Punkt. Dass eine Aufgabe automatisierbar ist, entscheidet nicht, ob sie auch automatisiert wird. Dazwischen stehen: Kosten – ein Mensch ist oft billiger oder flexibler. Recht – manche Entscheidungen darf keine Software treffen. Verantwortung – wenn etwas schiefgeht, muss jemand geradestehen. Und schlicht der Wunsch der Kundschaft, mit einem Menschen zu tun zu haben.

Ein hoher Wert bedeutet also nicht „dieser Beruf verschwindet“. Er bedeutet: Die Arbeit verschiebt sich – weg von dem, was die KI übernimmt, hin zu dem, was sie nicht kann. Neue Aufgaben kommen dazu, andere fallen weg.

Wie dieses Tool entstanden ist

Dieses Tool wurde mit Unterstützung generativer KI entwickelt – bei Code, Textentwürfen, Struktur und einzelnen Formulierungen. Die Auswahl der Berufe und Aufgaben, die didaktische Gestaltung, die Quellenprüfung, die Einordnung und die Verantwortung für die Veröffentlichung liegen bei mir.

Genau darum geht es im Workshop: KI kann Vorschläge machen – Menschen müssen Ziele setzen, Ergebnisse prüfen, den Kontext verstehen und geradestehen.

Was dieses Tool nicht ist

Es ist keine Berufsberatung und keine Vorhersage deiner Zukunft. Die Werte sind grob, sie altern, und sie stehen hier vor allem, damit man im Workshop darüber streiten kann. Stand der Zahlen: 2025.

Quellen

  1. Frey & Osborne (2013): The Future of Employment – Wahrscheinlichkeit der Computerisierung, Oxford Martin School
  2. IAB Job-Futuromat – Substituierbarkeitspotenzial je Beruf
  3. IAB-Kurzbericht 5|2024: Substituierbarkeitspotenziale von Berufen (Dengler / Matthes)
  4. ILO Working Paper 96 (Gmyrek et al. 2023): Generative AI and Jobs – Aufgaben-Exposition
  5. IAB (2025): Jeder vierte Betrieb in Deutschland nutzt generative KI – IAB-Betriebspanel
  6. World Economic Forum: Future of Jobs Report 2025 – Arbeitgeber-Erwartungen bis 2030